Fiktionale Fundstücke

Fotoprojekt Henry Mann

Eigentlich ist es ein altes Spiel, man liegt entspannt auf dem Rücken und schaut in den Himmel und entdeckt in den  Formen der Wolken vielfältige Figuren oder Gesichter.  Beim Wandern in der Natur  begegnet uns ebenfalls eine Fülle von Formen und Erscheinungen, manche davon mögen frühere Generationen erschreckt haben und zu allerlei Geschichten und Aberglauben angeregt haben.

Seit einiger Zeit sammle ich auf meinen Streifzügen solche Bilder, die ich fiktionale Fundstücke nenne. Fundstücke, da sie nicht gesucht sind, sondern es sich wirklich um Trouvaillen  im besten Sinn handelt, und fiktional deswegen, weil ich ihnen erst einen Sinn verleihe, einige nur in meinem Kopf Gestalt annehmen und nur in einer bestimmten Situation wirksam werden. Als ich durch die Weinberge von Sasbachwalden bin, interpretierte ich einen Baumstumpf als Nase des Sommeliers und im Theißtal fiel mir ein Baumstumpf auf, dessen Rinde mich ein Bild von Ludwig IV. erinnerte, genauer an dessen riesige Perücke. Ich hatte das Gemälde offensichtlich im Kopf, da ich gerade „Brüder“ lese, ein Roman von Hilary Mantel über die Französische Revolution. Diese Woche berichte mir eine Bekannte von ihren kranken Hühnern, Zufall, dass ich einen Tag später einen Fuchskopf zu entdecken glaubte?

Manche Fotos habe ich mit einem Titel versehen, was mir einfach nur Spaß macht, andererseits aber zur Interpretation beitragen kann.