Fotografie und Poesie – Juni/Juli 2021

In den letzten Wochen hat sich das helle Mai-Grün in ein sattes Sommergrün verwandelt. Bei den Spaziergängen und Wanderungen dominieren jetzt die Gräser in ihrer ganzen Vielfalt. Die Felder stehen hoch. Sie konkurrieren mit ihren unterschiedlichen Ähren. Hafer, Weizen und Roggen stehen überall auf den Feldern und werden geerntet. Schnell, viel zu schnell vergeht diese wunderbare Zeit.

„In der Natur und der Welt gibt es keine Dissonanzen, die eine löst sich in der anderen auf.“ Hans Christian Andersen


Einen Sommer lang
Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
Süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.

Wenn wir uns von ferne sehen
Zögert sie den Schritt,
Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
Nimmt ein Blättchen mit.

Hat mit Ähren sich das Mieder
Unschuldig geschmückt,
Sich den Hut verlegen nieder
In die Stirn gerückt.

Finster kommt sie langsam näher,
Färbt sich rot wie Mohn,
Doch ich bin ein feiner Späher,
Kenn die Schelmin schon.

Noch ein Blick in Weg und Weite,
Ruhig liegt die Welt,
Und es hat an ihre Seite
Mich der Sturm gesellt.

Zwischen Roggenfeld und Hecken
Führt ein schmaler Gang,
süßes, seliges Verstecken
Einen Sommer lang.
(Detlev von Liliencron)